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Sommerfrische & Co – Urlaub und was ihn ausmacht

Lebensart Verlag Elke Walter-Koch
26. August 2022

Lebensart-Verlag Elke Walter-Koch Döbeln

Sommerfrische & Co
Urlaub – und was ihn ausmacht

Nicht alles, was sich heute Urlaub nennt, bietet tatsächlich auch die erhoffte Mischung aus Erholung, Entspannung und Abwechslung. Was derzeit eine ganze Event- und Reiseindustrie beschäftigt, war früher nur wenigen Privilegierten vorbehalten. Wer konnte, fuhr im Sommer aufs Land in die Sommerfrische und verbrachte die Winter in der beheizbaren Wohnung in der lebendigeren Stadt. Weite Reisen – ins Ausland etwa – unternahmen meist Künstler oder adlige junge Männer, um Studien zu betreiben und sich weiterzubilden. Meist hatten sie die nötigen Mittel, um für längere Zeit an einem schönen Ort in Italien oder Frankreich in einer privaten Pension oder bei Bekannten ein- und unterzutauchen. Denn wirklich ankommen – das wusste man früher und das weiß man auch heute – kann man nur, wenn man eine gewisse Zeit an einem Ort verweilt, Land und Leute kennenlernt und ohne Stress eine Art Zu-Hause-Gefühl entwickelt.

Opas Garten früher und Waldbaden heute

Ich selbst gehöre zu jener Fraktion, die noch mit dem Zug an die Ostsee fuhr und als Kind die Ferien bei den Großeltern auf dem Land verbrachte. Mir fehlte da nichts zum Glücklichsein, denn die Sonne schien, das Waldstück am Garten lud zum auf-den-Baum-klettern und der Garten selbst zum Herumtoben und Helfen beim Ernten ein. Nachmittags saßen wir in der Bohnenlaube, puhlten Erbsen aus oder lösten Johannisbeeren von den Rispen und erzählten uns dabei Geschichten. Opa hatte ein kleines Kofferradio mit Batterie dabei, mit dem man Musik hören konnte. Wer mochte, ging im Dorfbach baden oder watete mit den Füßen darin herum, um Steine zu sammeln oder Krebse zu fangen. Wenn es besonders heiß wurde, stellte man Zinkwannen auf die Wiese und füllte diese mit Wasser. Der Spaß beim Baden und Herumspritzen war sicher genauso groß, als wenn man irgendwo am See gewesen wäre. Wir kannten es nicht anders und füllten uns mit den unaufgeregten und schönen Erlebnissen, die uns zur Verfügung standen: Sonne, Natur, Lebendigkeit, Wald, Garten, Dorf und Menschen. Allein war kaum jemand, denn das ging gar nicht bei der Enge der Wohnverhältnisse und dem daraus resultierenden Zusammenhalt.

Später, als ich verheiratet war und mit Mann und zwei Söhnen in den Urlaub fuhr, zahlte man Geld für Erholung und Entspannung und musste in der DDR auf einen der begehrten FDGB-Ferienplätze warten, die oft nicht für alle ausreichten. Die Freiheit der Kinder- und Jugendjahre wurde durch die obligatorische Ferien-Saison abgelöst. Man fuhr in den Urlaub. Alle anderen machten das auch und für die Kinder wäre es bitter gewesen, wenn sie zu Schuljahresbeginn nichts Besonderes zu erzählten gehabt hätten. Doch im eigentlichen Sinne schön und erholsam, spannend und erlebnisreich – so meine ganz eigene Retrospektive – waren nur sehr wenige unserer Urlaubsaufenthalte. Mal war der gemietete Wohnwagen an der Müritz so winzig, dass man sich mit Kind kaum darin herumdrehen konnte. Mal reichte der Aufenthalt in der Neptunbar nur für einen Tee, weil man nur ein kleines Budget zur Verfügung hatte. Mal glich der Aufenthalt in einem der Ferienheime eher einer Massenflucht, als einem erholsamen Ferienerlebnis.

Noch später nach der Wende konnte man dann überallhin reisen. Aber je weiter man reisen und je mehr Geld man für diese Reisen ausgeben musste, desto weniger Freude machten sie mir. Wenn man es etwa am Gardasee in Italien ausnahmslos mit genervten Gastgebern zu tun hatte oder in Südfrankreich jedes Erdgeschossfenster vergittert war, weil die Kriminalität für ein lockeres, entspanntes Wohnen viel zu hoch war, dann wurde mir der ganze Reisewahnsinn bewusst. Überall Menschen, die für zwei Wochen für viel Geld aus dem Alltag flüchten. Was es alles in der Umgebung, in der Heimat gibt, das wissen so viele immer noch nicht. Allein die Dörfer, Städte, Landschaften in 50 oder 100 Kilometern Entfernung. Was gäbe es da alles zu entdecken, wieviel haben wir davon überhaupt noch nicht gesehen … und dann erst die unglaubliche Entspannung, die man bei einem solch unkomplizierten Ausflug genießen könnte. Picknickkorb einpacken, die Räder mitnehmen und los …

Und gerade in dem Moment, in dem ich das schreibe, ahne ich sofort, dass es nicht populär ist. Dass viele von euch sagen werden: “Auf meinen Auslands-Urlaub möchte ich nicht verzichten. Ich will mir die Welt ansehen.” Natürlich – jeder sollte das machen, was er gern mag. Aber immer mehr Leute, die ich kenne, schwören trotz aller Möglichkeiten und angesichts der aktuellen Verteuerung und Corona-Einschränkungen auf die gerade beschriebene Entschleunigung und genießen es, zurückzukehren in eine Zeit, in der kleine Dinge noch eine größere Rolle spielten und Erlebnisse in der Natur noch kein “Waldbaden” waren, bei dem man wieder lernt, unter Bäumen zu entspannen …

 Warum ich das überhaupt schreibe? Nun, ich will euch natürlich nicht missionieren, keine Lanze fürs zu Hause bleiben brechen. Nein, ich möchte euch nur ein wenig zum Nachdenken anregen. Mein/unser Sommerurlaub dieses Jahr war am Senftenberger See in der Lausitz im Stradhotel. Anreise eine Stunde und zehn Minuten. Entspanntes Parken. Eine Garage für die Räder. Vom Zimmer im Erdgeschoss mussten wir nur ein paar Schritte bis zum Wasser laufen, das eine unglaubliche Qualität hat, so dass man beim Schwimmen bis auf den Grund schauen kann. Am Tag Radfahren durch den Wald oder am Hafen sitzen und Kaffee trinken. Abends die Grillen, die unglaubliche Stille und den Sonnenuntergang genießen. Und Ferienkinder gabs auch. Aber die waren gar nicht so laut wie sonst, weil es überall ruhig zuging und die Stille und Entspannung auch auf die Gäste abfärbte.

Immer mehr denke ich darüber nach, was hier und heute wirklich Sinn macht und was eigentlich Unsinn ist. Aber natürlich ist das von der Person, vom Alter usw. abhängig. Darüber zu schreiben, was es hier so alles gibt, macht in jedem Fall Sinn, denn damit stärken wir die einheimischen Gastgeber, die es in dieser Zeit nicht leicht haben.

Was es sonst noch alles in der Heimat zu entdecken gibt, welche gastlichen Häuser uns mit besonderem Ambiente in der näheren Umgebung einladen, das habe ich in einigen meiner Bildbände aufgezählt. In “Beherbergen, Bewirten, Verwöhnen – Kreative Ideen für Gastgeber und Genießer oder “Häuser und Leute” könnte ihr nachlesen, welch schöne Orte es in Sachsen, in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern bzw. im Osten zu entdecken gibt. Viel Spaß beim Entdecken und lasst es euch wirklich gutgehen …

» Der Weg zum den Büchern

Ich grüße dich hiermit ganz herzlich und freue mich, wenn du mir weiter auf meinen Seiten folgst und dich inspirieren lässt …

Elke Walter-Koch

Mehr Informationen unter » landleben-creativ.de
und » Der Weg zu den Büchern

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